Was mich bewegt



Man muss den Dingen
die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen -
und dann Gebären... 

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen 
des Frühlings steht, 
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch! 

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit ... 

Man muss Geduld haben, 
gegen das Ungelöste im Herzen, 
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, 
wie verschlossene Stuben, 
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache 
geschrieben sind. 

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, 
lebt man vielleicht allmählich, 
ohne es zu merken,
eines fremden Tages in die Antwort hinein. 
 

 (Rainer Maria Rilke)

 

 

 




Ausflugsziele

Alles über den Anbau, das Konzept, (m)ein Weltbild...

 

 Eine Reise in die Micro-Welt von DornenSilber

(Dieser Text wird fortlaufend, meistens im Winter aktualisiert. Weitere Bilder werden folgen.)

 

Zuletzt aktualisiert: 17.02.2025

 

 

"Die einzige Konstante in der Natur ist Veränderung"

 (Der Gesang der Flusskrebse)

 

 

In diesem Text geht es um die praktizierte Anbaumethode, die sich - wahrscheinlich immer - in Veränderung befinden wird und eng mit meiner eigenen Entwicklung verknüpft ist. Viel gelernt habe ich insbesondere durch die drei Standorte meiner Orte in Schallstadt-Föhren, Freiburg und Bötzingen. (Bötzingen wurde ende 2024 aufegegeben). Die unterschiedlichen Bedingungen und vor allem die unterschiedlichen Böden und vorhandenen Biotope ermöglichen ein Vergleichen und Reagieren. Das Experimentieren spielte von vornherein eine große Rolle. Nur so konnte ich das Gärtnern, die Pflanzenwelt und die Orte kennenlernen. Vermutlich wird dies ein lebenslanger Prozess sein, sodass sich immer wieder etwas ändern wird. Auch wegen der Agroforstelemente oder anderer mehrjähriger Elemente, deren Entwicklung erst nach Jahren vollumfänglich wirken wird. Aber auch wegen der Unerschöpfbarkeit der Pflanzenwelt. Und nicht zuletzt wegen der sich rasant ändernden klimatischen Bedingungen, die das Planen schwieriger, aber auch weniger wichtig machen. Flexibilität -  im positiven Sinne - ist hier das Stichwort. 

   Ich lade dich also ein auf eine Reise meiner gärtnerischen (aber auch persönlichen) Entwicklung und der praktizierten Anbaumethode in diesem Permakultur-Projekt.

Vorab

 

 

 

Wir leben die drei ethischen Grundsätze der Permakultur:  

 

earth care 

people care 

fair share 

 

Und wir bedienen uns Techniken der Permakultur. Darüber hinaus schwingen wir zwischen evidenz-basiertem Wissen (Wissenschaften) und erfahrungsbasiertem Wissen. Dies sammeln wir aus Überlieferungen, eigenen Erfahrungen und von gleichgesinnten Menschen zusammen. Bei wissenschaftlichem ist uns die Falsifikation, das Überprüfen der Gültigkeit, besonders wichtig.

Über allem steht das unmittelbare Lernen, die Orientierung an der Pflanze, am Ort, an der Tages- und Jahreszeit (weniger am Kalender), den phänologischen Erscheinungen und an der Stimmung und an unserer Intuition. Es ist uns zudem wichtig, Dinge nicht getrennt, sondern ganzheitlich und zusammengehörend zu betrachten. Auch beziehen wir uns gerne auf das Ursprüngliche (dauerhafte) und weniger auf menschengemachtes (vergängliches) und somit möchten wir aus der Vergangenheit lernen. Dabei ordnen wir einzelne Ereignisse in der Vergangenheit immer in ihre Zusammenhänge ein und somit unterscheiden wir zwischen Korrelationen und Kausalitäten.

 

Der Nachfolgende Text ist eine Übersetzung dessen was wir tun in Worte. Wir machen erst und übersetzen anschließend, das was wir machen, in Worte und ordnen es in Konzepte ein, damit es für andere verstehbar wird. 

Das nennen wir unmittelbares lernen. Konzepte und Worte sind mittelbar und immer nur eine 'Idee von etwas' und eben der Versuch, etwas in Worte zu fassen. 

 

Darüberhinaus spielt das Weltbild oder vielmehr mein Weltbild eine Rolle bei der Arbeit und bei diesem Projekt. Die Herangehensweise unterscheidet sich, je nachdem welches Weltbild ich habe. Aus einem eher mechanistischen Weltbild resultiert ein entsprechender Umgang mit der Natur. Das ist das, was im Grunde genommen jeder kennt, darin wachsen viele von uns auf. In einem, ich nenne es mal 'freien' Weltbild hingegen, ist die Natur ein Teil vom Ganzen und wir sind davon ein Teil. Es gibt keine Hierarchie. Es ist ein Miteinander - was gelebt wird.

Mein Weltbild hat sich in den letzten Jahren stark verändert oder besser gesagt, es formt sich immer präziser. Und diese Veränderung wurde sicherlich durchs Gärtnern begünstigt und wirkt ihrerseits auf mein gärtnerisches Wirken. Dieses Zusammenspiel ist genau das, was ganzheitlich und fruchtbar ist.

 

 

 

 

Worum geht es?

 

Das Mobile des Lebens ist aus dem Gleichgewicht geraten.

 

Permakultur? Regenerative Landwirtschaft? Syntropische Landwirtschaft? Holistic Gardening? Hortus-Konzept? Mischkulturen? Es gibt mittlerweile viele Konzepte, nach denen Mensch gärtnern kann. Auf den ersten Blick stellen diese teils umfangreichen Konzepte erstmal einen Dschungel dar, durch den Mensch erstmal einen Weg finden möchte. Bleibe ich zunächst in einer Vogelperspektive und betrachte alle Konzepte grob, wollen sie eigentlich alle das Gleiche: Das Leben auf dem Planeten bewahren, lebendige Ökosysteme wiederherstellen und ganzheitlich und nachhaltig (be-)wirtschaften und gärtnern. Für mich war recht schnell klar, dass es nicht so sehr auf das Konzept ankommt, welches ich verfolge, sondern vielmehr auf das, was ich im Garten und mit der Natur mache und welche innere Haltung ich dabei habe. Und da fand sich schnell ein Begriff, der dem sehr nahe kommt und keinem der Konzepte widerspricht: Lebenszentriert! Das bedeutet: Das Leben steht im Mittelpunkt und ist Dreh- und Angelpunkt allen Wirkens - und allen Belassens. Lebenszentriert zu bewirtschaften bedeutet, das Leben - was alle Tiere, Organismen, die Pflanzenwelt, Biotope, Systeme und Abhängigkeiten, das Gesamtgefüge und auch die Menschen, aber auch Kreisläufe, Wechselwirkungen und Ressourcen, und damit die Langfristigkeit bzw. konsistente Nachhaltigkeit beinhaltet -  im Mittelpunkt steht. Es geht also in erster Linie nicht um Geld, um eine Geldzentriertheit und somit um den Ertrag oder eine Ertragsmaximierung, was einer getrennten Herangehensweise entspricht. Alle bisherigen Systeme sind jedoch geldzentriert und versuchen - wie auch immer - den Ertrag bzw. die Gewinne zu steigern. Sie verfolgen ja den schier unendlichen Wachstumsgedanken und dieses Projekt der Permakultur beinhaltet den Degrowth-Gedanken, also das langlebige Wirtschaften ohne Verluste im Einklang mit der Natur. 

   Die von mir praktizierte lebenszentrierte Anbaumethode möchte nachhaltig ein lebendiges Ökosystem, in dem gesundes Gemüse wächst, ermöglichen. Das wird möglich, wenn die Dinge zusammengehörend betrachtet und praktiziert werden.

 

 

 

Warum ist das notwendig?

 

Es darf nicht nur die Ertragssteigerung als Maß und Ziel geben, 

die alles Andere ausser Acht lässt. Leben geschieht immer 

in multidimensionalen Zusammenhängen. 

Der händische, lebenszentrierte und regenerative Anbau ermöglicht 

Leben in multidimensionalen Zusammenhängen 

und hat gleichzeitig gute Erträge. 

 

Die Probleme der Landwirtschaft, wie sie gegenwärtig überwiegend praktiziert wird, setze ich als bekannt voraus, nenne das Wesentliche in Stichpunkten: Ertragsstagnation oder -rückgänge, überschuldete Landwirte, unterbezahlte Landwirte, ausgelaugte Böden, Bodenschwund, Monokulturen, Insektensterben, Rückgang der Vogelbestände, Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern, tote Böden, nackte Böden, hohe Suizidrate bei Landwirten, Ökozid, Rückgänge der Mikrobiome.

 

Warum ist das so? 

Das ist sicherlich nicht einfach zu beantworten und hat multikausale Ursachen. Das geht bei politischen Rahmenbedingungen, Reglementierungen und Förderungen los, setzt sich bei Effizienz-, Ertrags- und Gewinnsteigerungen seitens der Agrarindustrie (inkl. Supermarkt-Ketten) fort und endet bei Konsument*innen, die günstige und "schöne" Produkte haben möchten. Die eigentlichen Ursachen liegen meiner Meinung nach aber in einer weiteren Abkopplung des Menschen und menschlichen Handelns von der Natur und von ökologischen Gegebenheiten. Wir haben einfach keine Ahnung mehr davon, was Natur ist, obwohl wir eigentlich tief in ihr verwurzelt sein sollten. Denn daher kommen wir. Wir kommen aus der Natur und sind ein Teil davon. Wir sind nichts anderes, besseres oder höheres, sondern einfach nur ein Teil dessen was ist. Mittlerweile glaube ich, das genau darin, in der Beziehung zur Natur, der Schlüssel für viele Probleme liegt.

 

Dazu kommen die Veränderungen der klimatischen Verhältnisse durch den Klimawandel: Dürren, Starkregen, Hagelschlag, zunehmende Winde und Windgeschwindigkeiten, Kälteperioden im Sommer, Wärmeperioden im Winter, zu viel oder zu wenig Niederschlag, absinkende Grundwasserspiegel. Auf diese klimawandelbedingten Veränderungen kann man begrenzt flexibel reagieren.

 

Sind wir Teil der Natur?

Wir Menschen leben schon lange nicht mehr in und mit der Natur. Ursprüngliches, wie der Verlauf der Vegetation, das Ziehen der Wolken, der Rhythmus des Mondes, die Sterne (aufgrund von Lichtverschmutzung kaum wahrnehmbar) und teilweise auch das Wetter oder die Jahreszeiten sind uns zunehmend fremd oder auch egal geworden. Wir können jederzeit alles machen: Skifahren im Sommer, in die Karibik im Winter. Und wenn wir den ganzen Tag im Büro sitzen, bekommen wir nicht mal mit, dass sich das Klima verändert. Wir erfahren das aus den Nachrichten - wenn überhaupt - und freuen uns, wenn es nach der Arbeit draussen warm und trocken ist. Dass wir dadurch auch einen Vitamin-D Mangel erleiden, lässt nicht viele aufschreien. Ausserdem gibts dass ja auch als Tabletten. Vegetationsperioden, wie wächst was, was ist essbar und welche Pflanzen sollte man aufgrund ihrer Giftigkeit nur mit Respekt behandeln, wann wächst was - all das wissen wir nicht mehr. Und unsere Vorfahren haben in und mit und von der Natur gelebt. Sie wussten nicht wieviel Gramm Vitamin C in den Beeren des Hirschkolben-Sumach ist. Aber sie wussten, dass wenn sie die Beeren essen, dann werden sie im Winter nicht krank. 

Wir sind weder überlebensfähig in der Natur noch haben wir ein grundlegendes Wissen über sie. Entscheidender aber ist, die angesprochene fehlende Beziehung. Und ohne sie wird es auch nichts mehr werden. Und mit ihr werden wir viele Probleme lösen können. 'Öko' heißt ja auch 'Haus'. Bringen wir also unser Haus in ordnung.

 

Diffus-durchlässig

Und ja! Natürlich sind wir Teil der Natur. Studien bestätigen, dass wir nach einem Spaziergang im Wald einen Teil vom Wald mitnehmen (z.B. Terpene) und etwas zurücklassen; die Sekundären Pflanzenwirkstoffe (Fähigkeiten von Pflanzen, Eigenschaften) aufnehmen, wenn wir sie essen; Wasser Emotionen aufnehmen und zeigen kann. Alles ist ein bisschen durchlässig und verbunden und das wird ignoriert, wenn Mensch sich räumlich (UV-Sperren), geistig (Plastik-Klamotten) und mental (Hierarchie, wir stehen über der Natur) von ihr abkapselt. Alles hat einen Einfluss auf alles! Das wussten auch viele Indigene. Darum waren sie sehr achtsam und betrachteten Dinge ganz genau, um zu entscheiden, welche Beziehungen sie eingehen und welche nicht, was sie in ihr Leben lassen und was lieber nicht. Alles was Teil meines Lebens wird, lebt in mir weiter. Möchte ich, dass ein Fussballstadion oder ein Wald Teil von mir wird? Möchte ich Putin oder Papst Franziskus als Freund an meiner Seite? Und was wird dann passieren, wenn einer der beiden Teil meines Lebens wird? Schaue ich mir eine Doku oder ein Reel über Naturphänomene oder über "Wie-kann-ich-mein-SmartHome-optimieren" an? Höre ich lieber Herrn Lindner oder Herrn Habeck zu? Esse ich Gemüse aus Monokulturen oder Gewächshäusern oder wild wachsendes? Egal wofür ich mich entscheide, welchem ich mich zuwende, welcher Aspekt in mein Leben treten darf, welche Nahrung ich verdaue, es wird ein Teil von mir und lebt fortan in mir und meinem Bewusstsein. 

 

Dieses Achtsame und Feinfühlige Sein haben wir irgendwo auf dem Weg zu einer "zivilisierten" Gesellschaft verloren. Deshalb achten wir bei DornenSilber besonders auf das Ursprüngliche, um wieder in Kontakt zu kommen. 

 

Ich bin fast täglich im Garten und sehe und spüre die Veränderungen. Der Rhythmus der Natur ist etwas durcheinander - so wie unser Rhythmus entkoppelt ist von der Natur. 

Menschen  suchen nach Halt im Leben...

Es scheint eine hitzige Zeit zu sein... 

Vieles scheint aus dem Ruder zu laufen... 

Krisen. 

Krise bedeutet... meiner Meinung nach ...Entwicklung. Oder: "Chance auf Entwicklung." Ich glaube, diese Möglichkeit zur Entwicklung ist ein Schritt der notwendigen Veränderung. Und was verändere ich? Ich mache nichts. Ich lasse etwas sein. 

 

 

Wu wei 

"Und während ich dasitze und nichts tue

wird es Frühling,

das Gras sprießt,

die Wolken ziehen dahin."

(aus dem Taoismus)

 

 

Wir müssen weder handeln, noch irgendwas verbessern oder weiter betreiben. Und schon gar nichts beschleunigen. Am besten ist es, nichts zu tun. Nichts tun, in dem Wissen des Urvertrauens, dem "richtigen" Lauf der Dinge zu vertrauen. 

Das Schöne beim 'nichts machen' (Psychologie: default modus = die Gedanken treiben lassen) ist,...

Man macht keinen Blödsinn und belastet auch nicht die Umwelt. Nein, im Ernst! Plötzlich oder irgendwann schleichend kommen die "guten", die "richtigen" "Gedanken".  Dann kommen auch entspanntes Handeln und Urvertrauen zurück. Gestresst und im Kopf können ja nur getriebene Handlungen und Gedanken folgen. Handlungen und Gedanken, die aus einer inneren Ruhe und Verbundenheit entstehen, resultieren aus einem offenem Geist. Versuche mal, deinen Geist zu öffnen, wenn du gestresst oder im Kopf bist. Das funktioniert nicht. Darum ist es so wichtig, inne zu halten. Die Gedanken treiben zu lassen, ist ein zutiefst meditativer Zustand, der den Geist für die anderen Wirklichkeiten öffnet. Man kennt das aus Zuständen der Müdigkeit, morgens beim Aufwachen, abends vor dem Einschlafen, schummriges Licht, Müdigkeit aus Erschöpfung usw. In diesen Zuständen wird die Wahrnehmung scheinbar diffus und offen gegenüber anderen Welten. Es entsteht Raum für Eingebungen.

Das ist wie ein Festhalten oder Loslassen. Ich kann mich an bestimmte Dinge klammern, so sehr an Konzepten festhalten, dass für anderes kein Platz ist. Und wenn ich mich davon löse, ist plötzlich Raum für andere Ideen da. Woher kommen diese Ideen? Ich glaube, dass Alles schon da ist. Es gibt nicht wirklich etwas Neues. Ich habe es sehr oft erlebt, dass ich eine Idee in einem Buch oder im Internet wieder finde. Also gibt es meine Idee schon. Beobachtbar ist auch, dass weltweit Menschen, die räumlich weit voneinander entfernt sind, also unabhängig voneinander auf die gleichen Einfälle kommen. Das scheint die Existenz eines morphogenetischen Feldes, einer Art Informationsebene, in der alles, auch vergangenes und zukünftiges, enthalten ist, zu untermauern. Es ist einfach nur die Frage, was ich zulasse und was nicht. Schließlich gehen ja viele Errungenschaften auf "Zufälle", kleine Fehler, Ungenauigkeiten oder spontane Einfälle zurück. Und das ist genau der Punkt: Es gibt keine Zufälle! Es ist auch ein trauriges und tristes Weltbild, demnach die Welt durch Zufall entstanden sei (Eine Errungenschaft der Wissenschaften?). Und es ist wunderschön in einer Welt zu leben, die genau so wie sie ist sein wollte. Sie hat alles perfekt für uns entstehen lassen. Und da ist er wieder der Trugschluss: Sie hat es nicht für uns entstehen lassen! Wir sind lediglich ein Teil davon. Und wir als Teil haben als einzige die Fähigkeit, das was entstanden ist, zu Manifestieren: Wir Menschen können rückmelden: Boaaah, bist Du schön, liebe Natur, liebes Meer, lieber Himmel! Und schon hat unser Ego eine Aufgabe - anstatt sich blos um sich selbst zu kümmern. Und schon sind wir in Beziehung: Wenn wir vor dem Meer stehen und sagen: Boaaah, bist Du schön! Dann weiß auch das Meer, dass es da ist, dass es schön ist, dass wir es wahrnehmen.

 

Angst und Kontrolle 

Wir Menschen glauben, die Natur kontrollieren zu können. Das war nicht immer so. Die Anfänge davon können auf die Zeit des englischen Gartens, der Verbannung des "Weideviehs" aus dem Wald oder der industriellen Revolution datiert werden. Also seit etwa 200 Jahren versuchen wir in einem fortwährenden Kampf, die Natur zu kontrollieren. Aber warum ist das so und wie ist es dazu gekommen? Vermutlich geht das auf Bonifatius zurück, der im ca. 12. Jhdt. n. Chr. gepredigt und verankert hat, die Natur sei Böse und gefährlich. Das erzeugt Angst. Angst vor der Natur. Und aus Angst resultiert Kontrolle. Was mir Angst bereitet möchte ich kontrollieren, damit ich die Angst kontrollieren kann. Wir befinden uns an einer Zuspitzung dieser Entwicklung und können heute überall sehen, wie verbreitet Angst und Kontrolle sind und welche Probleme sie verursachen. Ob in den Beziehungen zu unseren Kindern, Partnern und anderen Menschen oder im Umgang mit der Natur. 

Und seit der Mensch das Vieh aus dem Wald verbannt hat, muss er sich selber aufwändig um die Pflege des Waldes kümmern, die zuvor das Vieh übernommen hatte. Muss er das?

 

Nun gesellt sich auch noch Panik zu Angst und Kontrolle. Ein perfekter Nährboden für "Prediger" und "Propheten" sämtlicher Richtungen. Deshalb predige ich mir lieber: Ruhe bewahren. Tief durchatmen. Und dann: Eine weise Entscheidung treffen WENN die Zeit dafür gekommen ist! Und bis dahin: Ruhe bewahren.

 

Kampf

Gärtnern bedeutet für viele Kampf: Unkraut, Wühlmäuse, Schädlinge - alles wird be-kämpft - um es zu kontrollieren. Und daraus entstehen auch folgende Aussagen: "Wenn wir den Wald sich selber überlassen, wissen wir ja nicht was passieren wird". Ja genau! Weil die Pflanzen es am besten wissen, was sie brauchen. Und genau darum geht es: Loslassen! Wenn wir die Natur einfach machen lassen, wird nämlich bestimmt etwas dabei herauskommen, was funktioniert. Nämlich genau das und so, wie es für sie am besten ist. Und genau davon können wir lernen. Wenn wir die Ökologie zur Grundlage unseres Lebens machen (und so war es früher bei Indigenen) können wir eine Lebensweise finden, die verträglich ist. Und das bedeutet nicht, dass wir auf Technik verzichten müssen. Nur werden wir sie nicht mehr in den Ausmaßen spätrömischer Dekadenz nutzen können.

Im übrigen ist heute gar nichts einfacher als ganz früher und wir sind auch nicht weiterentwickelt bzw. unsere Vorfahren waren nicht primitiv. Das Anhäufen von Problemen kann nicht wirklich als Errungenschaft gesehen werden. Und wer hat denn heute noch freie Zeit? Es hieß ja mal 'Freizeit' und 'Freizeitgesellschaft'. Was ich erlebe ist, dass Menschen wenig Zeit haben. Und ganz früher haben die Menschen 2 Stunden am Tag damit verbracht, Nahrung zu sammeln. Den Rest des Tages hatten sie 'frei'. Klar muss da mal was repariert und neu gemacht werden, aber die restliche Zeit zu tanzen, zu sinnieren und zu sein fühlt sich sehr leicht und verbunden an - es findet ja alles draussen statt. Psychische Probleme gab es nicht. Und heute erzeugen wir mit jeder neuen Technologie mindestens ein neues Problem. Längst sind wir nur noch damit beschäftigt, die Probleme mit neuen Technolgien zu lösen, die dann wieder neue Probleme erzeugen. So kann man sich die Zeit vertreiben oder auch eine Wirtschaft bei Laune halten.

 

 

Eine Freundin sagte mir folgenden schönen Satz, der unsere Welt erklärt:

 

"...um das zu machen, brauchst du so ein Ding, 

für dieses Ding brauchst du wieder ein Ding 

und dafür brauchst du dann so ein Ding, 

damit das Ding funktioniert."

 

 

Alles ist ultra kompliziert geworden, sodass auch verschiedene Experten zu unterschiedlichen Ergebnissen und Aussagen kommen. Und das in fast allen Professionen. Wem oder was soll da geglaubt werden? Natürlich glaube ich zunächst das, was mir am vertrautesten erscheint. Oder an das, was am meisten "geteilt" oder propagiert wird. Wenn ich aber wirklich fair und "objektiv" bin, sage ich: Viele Wissenschaftler glauben da dran und einige andere glauben an etwas anderes. Ja! Auch wissenschaftliches ist zuletzt Glaube! Und das alles ist extrem verkopft. Wenn ich vom Kopf ins Herz wechsle, spüre ich... diffuse Unklarheit. Das kann es nicht sein. 

 

Spüren was ist - nicht denken was ist. Indigene machten Unterschiede aus, ob ein Ochse oder ein Pferd den Pflug zog. Einen Unterschied in Bezug auf die Qualität mit der dem Boden begegnet wurde! Und sie spürten einen Unterschied zwischen Fleisch von wilden Tieren und Fleisch von domestizierten Tieren. Das Fleisch der domestizierten Tiere machte ihre Seelen nicht satt. Derartige Unterschiede kann Mensch zwar "denken", aber Indigene spürten den Unterschied. Ich bilde mir manchmal ein, dass Wildkräuter ein volleres Sättigungsgefühl erreichen, als gewöhnliches Gemüse. Vielleicht ist was dran, wer weiß.

 

Diese Abspaltung von der Natur hat zu einer Wahrnehmung von Natur als 'etwas Anderes' geführt und die Hierachische Ordnung des Menschen übernimmt fortan. Der Mensch hat aus etwas ganzem (ganz = heil, Heilwerdung) eine Hierarchisierung gemacht. Der Mensch steht fortan über der Natur. Das äußert sich im Gestalten von Gärten mit kugelförmig geschnittenen Buchsbäumchen und exakten Rasenkanten sowie englischen Gärten. Eine derartige Praxis bedeutet einen enormen ökonomischen und antiökologischen Aufwand - und die Verbannung von Leben, anderen Pflanzen und Tieren, Lebensräumen und Lebensgemeinschaften. Die gängige Praxis in der Landwirtschaft hat wesentlich dazu beigetragen, dass es ein massives Insekten- und Vögelsterben in Deutschland und weltweit gibt. Manche Populationen sind um bis zu 90 % zurückgegangen. 

 

Daraus könnte man schließen:

 

Wenn es einfach ist, dann ist es gut!

 

Gärten, wie wir sie kennen, unterliegen häufig einer menschlichen Kategorie von Ordnung, die nichts mit Natur zu tun hat. 

Sie ist geprägt von einem fortwährenden Versuch, die Natur kontrollieren zu wollen. 

Erst wenn wir diesen Pfad verlassen, finden wir Frieden.

 

 

Lässt man es, lässt man die Natur einfach sein, lässt man andere, lässt man Kinder oder lässt man sich selbst einfach mal Sein - dann ist es gut oder es wird gut. Je weniger Aufwand, je einfacher ich eine Beziehung - zur Natur, zu den Kindern, zu anderen, zu mir - gestalte, umso besser ist es. Und wenn wir wieder lernen, einfach zu leben, dann können wir auch mit vielen Menschen auf diesem Planeten leben. Mit unseren derzeitigen Lebensstilen geht das nicht.

   Wir haben Maschinen lieb gewonnen. Es gab ja die Zeit, in der man(n) Samstags gerne das Auto gewaschen hat. Heute stellen Smartphones und Apps weitaus größere Zeitfresser dar. Aber eben auch sehr nützliche Technologien, durch die Wissen abrufbar ist. Was früher über viele Beobachtungen und Erfahrungen von Generation zu Generation weitergetragen wurde, ist heute per klick nachlesbar. 

Also konnte ich, zunächst ohne viel Wissen aber mit viel Intuition, mit dem Gärtnern anfangen. 

 

Kämpfen? Loslassen!

Den Kampf, den viele immer noch kämpfen, habe ich schnell aufgegeben. Im Ersten Gartenjahr machte ich noch die Fugen von den Wegen "sauber". Dann verstand ich, dass sich die Wegplatten nur unnötig aufheizen und diese Hitze strahlt auf die Pflanzen und die Böden ab. Seit dem wachsen die Wege zu und manche haben wir auch entfernt und aus den Platten Echsen- und Insektenfreundliche Trockenmauern als zusätzliche vertikale Elemente gebaut. Durch die Selbstaussaat vieler Pflanzen wachsen z.B. auch wilde Rauke, Walderdbeeren, Catalogna oder wilder Fenchel in den Fugen, sodass wir schon von Fugenlandwirtschaft gesprochen haben. 

Die Selbstaussaat bedeutet zusätzliche Achtsamkeit, weil genau wahrgenommen werden muss, was wo wächst, was sich selbst ausgesät hat. Und genau das ist einfach! Es - die Natur - funktioniert von selbst. Sie sät sich selbst aus. Und das meiste davon ist essbar und sehr gesund. Dass vieles aus der Natur essbar ist, dürfen wir wieder lernen. Vielleicht ist auch genau daher ein Mangel begründet, weil wir vieles, was wir eh und je gegessen haben nicht mehr essen. Die Pflanzen, die uns früher ernährt haben, vernichten wir heute. Stattdessen essen wir hochverarbeitete Produkte. Viele Regale veganer Produkte sind hoch verarbeitete Produkte. Und im veganen Supermarkt gibt es nichtmal Gemüse oder Kräuter, die vegansten Produkte überhaupt.

 

Doch der Kampf vieler drückt sich auch im regelmässigen Rasenmähen, im Bekämpfen von Wühlmäusen oder "Unkräutern" aus. Oder im Wegfahren von Schnittgut und Herankarren von neuer Erde. Wenn man permanent etwas entnimmt und wegkarrt, fehlt auf Dauer etwas. Nichts mehr wegbringen, dann hat man auch weniger Arbeit, und es ist einfach und dann ist es gut. Einfach loslassen - und Frieden finden. 

 

Geht das so einfach? 

Wir haben uns daran gewöhnt, dass eine Rasenfläche nur ordentlich und gepflegt aussieht, wenn sie frisch gemäht ist und nackter und gepflügter Ackerboden sind für uns normal, richtig und schön. Alles Andere ist ungepflegt, unordentlich, falsch und nicht schön. Ordentlich ist auch nur das, was wir mit Maschinen machen. Wenn eine Rasenfläche gesenst wird, sieht sie anders aus und schon das gefällt vielen nicht. Dazu zählen auch Monokulturen, Fichtenwälder, Weinanbau, Mais- und Weizenfelder. Sie sind für uns 'unsere Kulturlandschaft'. Aber das sind alles Monokulturen, die totgewirtschaftet wurden. Dort gibt es wenig Leben. Es gibt kaum Insekten und Vögel und das Bodenleben ist fast zum Erliegen gekommen. Eine Humusschicht gibt es schon lange nicht mehr, dafür aber eine Pflugsohle: Unterhalb des Pflugs ist der Boden ultra verdichtet. Aber wenn maschinell alles weggeräumt, gepflügt und gemacht wird, gibt es keine Lebensräume und keine Arbeit für die Organismen - und sie verschwinden. 

 

Gerade am Humus kann man sehr vieles auf sehr einfache Weise verstehen. In natürlichen Bedingungen fallen im Wald Blätter zu Boden, verrotten und werden zu Humus. Bei Krautschichten sterben Halme ab, neigen sich zu Boden und werden von den wichtigen Lebewesen und Mikroorganismen zu Humus zersetzt. Und bevor das geschieht, wenn sie absterben aber noch stehen und sich allmählich zu Boden neigen und erst im Winter durch eine Schneedecke geschützt aber auch zu Boden gedrückt werden, dienen sie Insekten als Lebensraum. 

 

Daraus haben wir das Prinzip abgeleitet: Immer von oben nach unten. Den Rest machen die Organismen. Wir schneiden, falls notwendig, erst im Frühjahr zurück und belassen das Schnittgut an Ort und Stelle. Wir arbeiten nichts ein, sondern geben Aussaat, Mulch, Kompost, Pflanzenreste auf die Beete. 

 

Diese Kreisläufe, absterbende Halme, sind enorm wichtig für das Fortbestehen von NATUR. Natur ist immer Leben UND Tod. Nur durch Tod ist neues Leben möglich. Und hier können wir wieder von Indigenen lernen: Bei ihnen ist alles dem ewiglichen Kreislauf von Schöpfung UND Zerstörung, von Leben UND Tod unterworfen. Mit einem derartigen Weltbild kann man auch ein anderes Verhältnis zum (eigenen) Tod bekommen. Er wird weniger tragisch und vielleicht geht es dann nach dem Tod auch weiter?! Die Reinkarnation wird heute noch in verschiedenen Kulturen gelebt (z.B. Indien) und war auch im Christentum und in der Bibel lange Zeit vorhanden. Und man kann ein anderes Verhätnis zu der Art zu leben bekommen.

 

Wie bedeutsam ist die Art zu leben, wenn es nach dem Tod bzw. immer weiter geht? Würden wir mit einem ewiglichen Weltbild so mit der Natur umgehen wie wir es heute machen?

 

 

 

 

 

Die Bedeutung von Kreisläufen

 

Es gibt Kugeln, Kreise, Bögen, Zyklen und Wellen in der belebten und unbelebten Welt. 

Aber niemals Linearität! 

Selbst Regentropfen fallen im Bogen der Gravitation zu Boden.


Schnell lernte ich die Kreisläufe, Zusammenhänge und fragilen Systeme kennen und begann diese aufzubauen und zu stärken. Kreisläufe. Wenn ich etwas wegnehme, fehlt etwas. Wenn ich auf Dauer immer wieder etwas wegnehme und wegbringe (Schnittgut, Ernte, Rasenschnitt), fehlt auf Dauer sehr viel. Das betrifft nicht nur den Bodenschwund, der auf Äckern  sichtbar wird (Feldwege liegen immer höher als der Acker, der von den Wegen ausgehend häufig einen Bogen nach unten macht), sondern auch auf Biomasse und Nährstoffe. Geschlossene Kreislaufsysteme sind  wichtige Prinzipien aus der Permakultur, aber auch aus unserer, als bekannt problematischen Lebens- oder Wirtschafts- bzw. Produktions- und Konsumweise. Das Wirtschaftssystem stellt mit seinem angestrebtem Wachstum ein lineares Prinzip dar, ebenso die Landwirtschaft mit ihren Erträgen. Beim Wachstum soll die Linie kontinuierlich nach oben gehen, bei der Landwirtschaft die der Erträge. Faktisch geht der Zustand der Erde bzw. der Natur, aufgrund des wirtschaftlichen Wachstums, kontinuierlich nach unten. In  der Landwirtschaft gehen die Linien der Nährstoffe, des Humus und des Bodenlebens kontinuierlich nach unten. Das allein zeigt: So geht es nicht (weiter)!

 

In gesunden Systemen gibt es Wellen: mal mehr, mal weniger Wachstum bzw. Ernte oder Humus und Nährstoffe, aber auf lange Sicht recht stabil und gleichbleibend. (Und auf noch längere Sicht gibt es wiederum ständige Veränderungen). Aufgrund der problematischen Umweltverhältnisse und schwindender Ressourcen werden mittlerweile Kreislaufwirtschaften angestrebt, die in vielen Branchen  nicht so einfach realisierbar sind. Beim Gärtnern und der Landwirtschaft ist das nicht so schwer. Ich bringe einfach kein Schnittgut weg und mache Kompostierung oder Flächenrotte. Dann fehlt nur der Teil der Ernte, Pflanzenreste und Wurzeln verbleiben. Die Entnahme an Biomasse (die Ernte) wird durch Mulch-Material, das bestenfalls direkt vor Ort wächst, ausgeglichen. In Zukunft wird allein das Laub der gepflanzten Bäume für einen hohen Eintrag an organischer Substanz führen. Die Nährstoffentnahme wird durch Pflanzenjauchen, Schafwolle und Urgesteinsmehl  ausgeglichen. Das macht alles viel einfacher. Die Gründüngung kann als Mischkultur mit den Kulturen wachsen (integriert) und direkt als Mulchmaterial verwendet werden. Idealerweise sät sich die Gründung selbst erneut aus, sodass der Aufwand der Aussaat entfällt. 

Eine Hauptaufgabe, insbesondere bei der händischen Arbeitsweise, liegt somit im Regulieren lebendiger und toter Biomasse. 

   

Deutlich wird hier aber auch, dass die Gesamtfläche größer sein muss als die bewirtschaftete Fläche der Kulturen, weil durch die Ernte immer etwas entnommen wird und auf zusätzlichen Flächen die notwendige Menge Biomasse angebaut werden muss, die die Entnahme ausgleicht. Und das geschieht am besten integriert. Denn das Wunderwerk Pflanzen, insbesondere Gründüngungen, können durch ihr Wachsen den Boden nicht nur lockern, sondern auch wieder mit den für die Kulturen notwendigen Nährstoffen versorgen. Wie das funktioniert versteht man gut, wenn man sich das Bild eines Waldes vor dem Inneren Auge betrachtet: Der Wald existiert über viele tausende Jahre obwohl er sich permanent verändert. Bäume sterben ab, wachsen neu und jedes Jahr lassen sie ihre Blätter zu Boden fallen. Abgestorbene Bäume bilden Lichtungen, die Platz für neues und ggf. auch anderes machen und auf diese Weise (Lücke im System) wiederum für Vielfalt sorgen. In langen Prozessen werden die toten Bäume von Tieren und Organismen zersetzt und nichts geht verloren. Ganz im Gegenteil, es kommt vieles hinzu. Denn schließlich bildet jede Pflanze aus Wasser, Sonne und Nährstoffen neue Substanz, die Nährstoffe enthält. Ein geschlossener Kreislauf, der funktioniert. Sie produzieren ihre eigenen Nährstoffe die sie brauchen. Und das über viele tausende Jahre. Somit wandelt jede Pflanze Boden, Wasser und Sonne zu Nährstoffen um. Und jede Pflanze hat an ihrer Oberfläche und an den Wurzeln ein ganz eigenes Mikrobiom. Je vielflätiger die Pflanzen sind, umso mehr Mikrobiome gibt es. Und diese Vielfalt kommt dem gesamten System zugute. 

 

 

 

 

"Das Problem des Menschen ist nicht, sich hohe Ziele zu setzen und zu scheitern, sondern sich kleine Ziele setzen und Erfolg zu haben" 

(Michelangelo)

 

 

Wir haben es geschafft mit unserer "hochmodernen" Land- und Forstwirtschaft diese Systeme, gesunde Böden und bereits Mikrobiome zu zerstören. Einfach so pflanzten wir Fichten-Monokulturen wo zuvor Laub-Mischwälder waren. Unsensibler gehts nicht. Das zeigt auch unser Verhältnis zur Natur: Wir glauben, überall einfach das machen zu können was wir KÖNNEN. Weil wir es können? Meistens, weil wir es technisch und/oder finanziell können. Das ist nicht nur unsensibel und geldzentriert, es hat auch die Böden stark verändert (übersäuert). Das sind massive Eingriffe in gesundes Leben. Und es ist auf eine Weise auch egal was wir machen. Alles was wir machen, wird einmal verschwunden sein, wenn wir verschwunden sind. Es ist eher größenwahnsinnig zu glauben, das wir eine irreversible Veränderung erzeugen könnten. Machen wir uns lieber dran, so zu leben, dass es rückblickend ein gutes Leben war, dass unsere Enkel mit Stolz auf etwas aufbauen können. 

 

Und gleichzeitig haben wir uns an diese Landschaftsbilder gewöhnt. Es wird Zeit, diese loszulassen.

 

 

 

 

Mit der Natur - nicht gegen sie

 

Lieben bedeutet Loslassen

 

 

Je mehr ich die alten Bilder losgelassen habe, desto mehr war eine Beziehung zu den Pflanzen und ihrer Welt möglich. Es geht ja nicht darum im Garten etwas zu schaffen, was mir gefällt oder irgendwelchen Bildern entspricht. Wenn man mit Pflanzen arbeitet geht es darum, sich in ihre Welt zu begeben und diese so zu gestalten, dass es ihnen gut geht. Anders gesagt: Mit meiner (bisherigen) Weltauffassung komme ich beim Gärtnern nicht langfristig, bis in die 7. Generation, weiter. Denn die Indigenen wussten es: Der Mensch muss so leben, wie es für die 7. Generation noch gut ist. Das finde ich einen sehr spannenden Ansatz. Und ich frage mich zugleich: Was in der heutigen Welt ist eigentlich noch für die 7. Generation gemacht? 

 

 

 

Ich finde nix!


 

 

 

 

Ich allein kann bereits auf Cassetten, CD's, Videokassetten, DVD'S und Digitalkameras zurück blicken. Das sind drei bis fünf verschiedene Technologien in einer Generation. Gehts noch?

 

Bilder sind virtuell und vom Menschen produziert. Woher diese Bilder kommen geschieht wechselseitig durch erzeugen glatter digitaler Bilder z.B. in der Architektur, Werbung oder von Gärten und dem Erzeugen von Produkten oder anderen realen Objekten (Häuser, Gärten). Etwas „neues“ wird entwickelt, es wird bekannt und hip. Und das wollen wir dann haben. Und dann sind wir glücklich. Weil wir es haben. Aber Sind wir dann wirklich glücklich? 
Wir wissen es doch, dass uns materielles oder Besitz nicht glücklich machen. Und es ist einfach, sich etwas zu kaufen (und dann hat man es!). Letztlich ist es auch nicht schwer, sich einen Garten nach seinen ganz eigenen (oder fremden) Bildern zu bauen. Es kostet Geld und bedeutet Arbeit. Einen Garten anzulegen, der Wertvoll für die Natur ist UND Erträge liefert ist hingegen gar nicht so einfach, weil wir nicht wissen wie das geht? Das sieht man auch daran, dass Blühstreifen und Insektenhotels hoch im Kurs sind. Wenn man aber ein Ökosystem hat, braucht man nichts 'extra' anlegen.
 

Wenn wir dann raus gehen in die Natur merken wir, dass das, was wir dort erleben, wahrnehmen und spüren, nichts mit Geld oder Besitz zu tun hat. Und es ist wild -  und manchmal auch romantisch. Dann spüren wir diese tiefe Verbundenheit, das Ursprüngliche, was zu uns gehört und zu dem wir gehören (Ganz = Heile). Das ist die eigentliche Welt, die immer bestanden hat und immer bestehen wird auch wenn sie im Verlauf großen Veränderungen unterliegt. Unsere Objekte und unser Besitz sind hingegen nur von kurzer Dauer: Vergänglich. Langweilig. Austauschbar. Irgendwann fragte ich mich: Wo will Mensch eigentlich hin mit dem Wohlstand, mit Vermögen und Besitz? Die Menschheit hat gar kein Ziel?! Besitz und Wohlstand scheinen zum Selbstzweck geworden zu sein. Das Argument "Sicherheit" ist einfach nur Lächerlich. Wo ist denn irgendwas unsicher oder gefährlich? Die Welt ist so sicher wie nie zuvor, die Lebenserwartung steigt und steigt. 

Sämtliche Arten zu sterben sind definitiv keine Unsicherheiten, sondern ganz normale Vorgänge mit unzähligen Variablen. Und das Argument "Hygiene" in Bezug auf Sicherheit ist recht schwammig. Dabei bezieht sich Mensch gerne auf die Pest oder dergleichen. Nicht mit erzählt wird, dass derartige Seuchen durch die Domestizierung von Tieren, und weil zunehmend mehr Menschen in Städten zusammen lebten, entstanden sind. Und die Pest entstand aus der Ökologie heraus: Das Wetter wurde kühler und nasser, sodass viele Ernten Pilze enthielten. Die Menschen assen davon und wurden krank. Domestizierung, wachsende Städte, verunreinigte Lebensmittel: Das alles ist Ökologie bzw. geht auf sie zurück. Und dieser Zusammenhang ist wichtig und daraus können angemessene Schlüsse gezogen werden. Was nicht zielführend ist, ist daraus Wohlstand und Sicherheit abzuleiten oder zu begründen. Es gibt keine absolute Sicherheit und es ist Energieverschwendung in Sicherheit zu investieren. Stattdessen ist es sinnvoller in Vertrauen zu investieren und mit "Unsicherheiten" zu leben. Das bedeutet nämlich, das Leben UND den Tod angemessen zu respektieren. Denn das Einzige was sicher ist, ist der (eigene) Tod. Ich weiß selber wie schmerzvoll der Tod sein kann. Mein älterer Bruder starb, als ich 25 war. Aber wir können nicht um jedes Menschleben ein riesen Theater machen, wenn wir 8 Milliarden Menschen sind. Die Pharmaindustrie lebt davon. Mir scheint es manchmal so zu sein, dass wir Menschen ein Kollektiv sind, was sich seiner selbst nicht bewusst ist. Bei Indigenen gab es eine bestimmt Anzahl an Seelen. Ich vernmute, weil sie sich über unzählige Generationen nicht vermehrt haben (vielleicht war es auch umgekehrt), gab es nur diese bestimmte Anzahl an Seelen. Als die Menschen sich dann vermehrten sprachen Indigene von Halb- und Viertel-Menschen, die auch entsprechend schwach sind. Zumindest erklärt diese Sicht unser Dasein: Wir sind viele, aber die meisten sind haltlos, krank oder schwach.

 

Beziehung! 

Wenn wir also die Beziehung zur Pflanzenwelt eingehen, sie ermöglichen, wenn wir uns herablassen und nicht mehr von oben bestimmen, dann können wir mit der beseelten Natur in Verbindung gehen und zu den Naturgeistern und -Wesen Kontakt aufnehmen. Das klingt wie aus einer anderen Welt - ist es auch. Aber es sind nur Wörter und Begriffe, die unsere Vorfahren benutzten. Für Indigene war die gesamte Natur ansprechbar: Tiere, Pflanzen, Steine, Wasser - Alles ist ansprechbar! Es ist ein riesen Unterschied, ob ich mich in einer ansprechbaren Welt bewege oder ob ich sie für unbeseelt halte. Und daraus kann dann eine ganz andere Haltung (und Heilung) resultieren. Frage dich also gerne: Mit welcher Haltung gärtnere ich? Wie ist meine Beziehung zur Natur und zu den Pflanzen?  

 

Lieben bedeutet loslassen

 

Das Loslassen jedoch dauert noch an. Immer wieder verspüre ich den Drang "aufzuräumen", "Unkraut" zu jäten und "Ordnung" zu schaffen, aber diese Bedürfnisse glühen nur noch schwach. Es brennt ein anderes Feuer in mir:

 

 

 

 

Verbundenheit 

 

Die Pflanzenwelt ist eine beseelte Bibliothek

 


In der Verbundenheit ist mein Handeln und Interagieren meistens intuitiv, wenig geplant und eher Prozesshaft. Es gab von vornherein keinen Plan, immer nur eine erste Idee. Und indem etwas Erstes umgesetzt wird, beginnt die Veränderung. Das Wirken beeinflusst die Umgebung und die Natur reagiert. Darauf können nur Schritte folgen, die von vornherein nicht planbar sind. Dafür braucht es Flexibilität, Neugier und Offenheit. Denn es entsteht Natur, die zwar konstant da ist, aber sich auch permanent wandelt. So wird es in meinen Gärten jedes Jahr grün und teilweise zugewuchert sein, aber von anderen Pflanzen oder in anderen Kombinationen und die Wildpflanzen und selbst ausgesäten Pflanzen wandern jedes Jahr ein wenig, sind nie am gleichen Platz. Und die Pflanzen helfen mir bei meinem Wirken. Da kommt ein Samen zugeflogen, da wächst etwas und ich lerne dadurch. Lerne neue Pflanzen kennen und integriere sie, lasse sie. Das meiste wächst von selbst. Also werde ich noch mehr auf Direktsaat setzen und zwar direkt in den Mulch. Das aufwendige Vorbereiten der Beete und das Eingreifen in den Boden wird nun ein Ende haben. Endlich. Denn Dort, unter dem Mulch, ist es immer feucht. Samen, die stark sind und wachsen wollen, werden sich durchsetzen. Das löst natürlich viele Probleme, wie der angesprochene Eingriff in den Boden, aber auch das schnelle Austrocknen des Bodens während der Sä- und Pflanzzeit. Und es ist natürlich, so wie in der Natur. Da fallen reife Samen zu Boden (oder werden vom Wind verweht und bleiben irgendwo hängen, andere werden durch Betritt weitergetragen). Die fallen aber nie auf nackten Boden oder in den Boden. Sie fallen auf eine Schicht aus Laub, Zweigen, Gräsern oder auf Humus. Sie bekommen direkt Kontakt zu Mikroorganismen. Dort werden sie von Wind und Wetter zurecht hingelegt und mit weiterem zu Boden fallendem Material bedeckt. Und wenn sie einen guten Platz gefunden haben und wachsen wollen, werden sie das tun. Pflanzen produzieren weitaus mehr Samen, als daraus dann nachwachsen. Also säe ich selbst gesammeltes Saatgut großzügig und es reicht, wenn einige davon Keimen und wachsen. Wenn zu viele Keimen kann immer noch ausgelichtet werden. Und das ist meiner Meinung nach ein ganz wichtiges Prinzip: wegnehmen kann ich Pflanzen jederzeit, hinzufügen ist oft nicht so einfach. Also lasse ich das meiste wachsen und die wenigen Pflanzen, die tatsächlich ungünstig für den Gemüseanbau oder wie das Jakobskreuzkraut sehr giftig sind, nehme ich - dann auch mit Wurzel - weg und auch erst, wenn sie schon größer sind. Denn dann haben sie zumindest gewirkt, haben Wurzeln und Biomasse gebildet, die nun wieder in den Beeten zu Nährstoffen verrotten darf. Ein Kreislauf, der unterstützt wird.

 

Diese vorgehensweise hat weitere Vorteile. Beim gewöhnlichen Anbau wachsen die Pflanzen einer Kultur gleich schnell. Es muss dann auch alles zur gleichen Zeit geerntet werden, was häufig einen Überschuss bedeutet. Bei Selbstaussaat und Direktsaat gibt es versetzte Wachstumsperioden, die ein Ernten 'nach und nach' ermöglichen.  Weitere Elemente der Permakultur unterstützen versetztes Ernten.

 

 

 

 

 

Die Natur antwortet

 

"Der Mensch wird am Du zum Ich", 

so sagt es Martin Buber. 

 

 

 

Was bedeutet dieser Satz angewandt auf unsere Beziehung zur Natur?

 

Jetzt steht vielmehr der Genuss der Natur im Vordergrund und wenn ich nackte Böden sehe tut es mir im Herzen weh. 'Nackter Boden ist toter Boden'. Diesen Satz las ich bereits zu Beginn meiner gärtnerischen Tätigkeit. Pflanzen sind wie unsere Haut: Sie schützen das, was darunter ist: den Boden. Ich habe es geschafft, die in mir programmierte "Ordnung" von 'Garten' in eine Interaktion mit der Natur umzuprogrammieren und lerne nun, dass Natur äußerst robust ist. Wenn man sich das Straßengrün oder grüne Inseln in einer gepflasterten Fläche vorstellt, dann quillt es förmlich heraus, es will wachsen - und wächst überall. Dort wo nichts wächst, hat der Mensch massiv eingegriffen (pflügen, hacken, Herbizide) oder es ist einfach unwirtlich (Wüste, Eis...). 

 

(Leider musste ich auch lernen, dass viele unserer Gemüsekulturen derart hochgezüchtet sind, dass sie häufig eine ganz spezielle Behandlung/Anbauweise benötigen. Sie sind kaum in der Lage, sich selbst auszusäen oder brauchen, wie manche Kohlsorten abartig viele Nährstoffe, wie sie natürlicherwiese nicht vorkommen. Dieses Thema werde ich später mal vertiefen.)

 

Mein Wirken ist zunehmend ein Reagieren. Ich reagiere auf das, was die Pflanzenwelt macht. Dadurch ändern sich Bepflanzungspläne, es ergeben sich neue Mischkulturen und sogar Wegeführungen können sich ändern. Hier und da muss ich mich mal "durchschlagen", wenn Sonnenblumen in den Weg hineinragen, Bohnen den Mais über den Weg zu Boden zwingen oder Kürbisse und Zucchini über die Wege ranken. Das Ernten ist definitiv aufwendiger, weil eine Kultur nicht nur an einem Ort oder nicht in Reihe wächst. 

Und diese Unterordnung beinhaltet Sanftmut und Demut und ist ein Teil der Interaktion. Aber das Schönste an allem ist, dass die Natur sehr schnell antwortet. Sobald Nahrung für Insekten da ist, kommen Insekten, sobald auch ihre Lebensbereiche vorhanden sind, bleiben sie sogar. Pflanzen blühen auf, gesunden, werden robuster und resilienter. Das Leben nimmt zu, wird vielfältiger, weil lebenszentriert interagiert wird. Die Eidechsen- und Wildbienenpopulationen haben sich bereits mehr als verdoppelt. 

 

Dass ich nur reagieren kann und nicht dem Ort ein System, bestimmte Kulturen oder eine Idee aufoktroyieren kann, habe ich insbesondere durch die drei Standorte gelernt, die ganz verschieden sind, was die Böden, vorhandenen Bewuchs, die Bedingungen und Voraussetzungen betrifft. Die Essenz daraus ist: ich kann nur mit Gewalt an einem Ort machen, was ich will. Im Miteinander passe ich mich bzw. meine Vorhaben an den Ort an. Diese Erkenntnis führt aber auch unweigerlich zu der Frage, was Natur ist? Wenn man sich Natur anguckt und sie auf sich wirken lässt, stellt man fest, dass es immer ein Miteinander ist und niemals Monokulturen. Und schon gar nicht nackter Boden. Unser Haus (Öko) ist eine solidarische Gemeinschaft. Lernen wir davon!

Syntropische Landwirtschaft, Agroforst und Mischkulturen

 

Das ist so wie in der Natur.

 

 

Diese Erkenntnisse führen unweigerlich dahin, die an dem Ort vorhandenen oder zugeflogenen Pflanzen, das sind auch Pflanzen, die dort typisch sind, möglichst zu integrieren. Auf diese Weise lernte ich in der Praxis Elemente der syntropischen Landwirtschaft kennen und erweiterte meine Praxis der Mischkulturen. In Schallstadt wächst z.B. Vogelknöterich, der fast wie ein Teppich ein fantastischer Bodendecker ist und sich gut mit dem Stroh-Mulch verwächst. Pflanzen haben gegenüber totem Pflanzmaterial den Vorteil, dass sie Feuchtigkeit nach unten verdunsten und so zu einer höheren Bodenfeuchtigkeit beitragen können. In Freiburg und Bötzingen ist es z.B. der Gundermann, der diese Funktion übernimmt. Er harmoniert auch sehr gut mit hoch wachsenden Gräsern, aber ebenfalls sehr gut mit Mulch. Mein Ziel ist es, eine sehr dichte und geschlossene Pflanzendecke mit verschiedenen Ebenen zu erreichen: Unten die Bodendecker, drüber überwiegend Kulturen, dann Sträucher und Büsche, aber auch Mais, Kürbisse, Chayote, Jicama und Bohnen oder andere rankende Pflanzen und dann locker ein paar höhere Baumelemente. Das ist auch die Systematik der syntropischen Landwirtschaft, die ich parallel, während ich sie schon anfing zu praktizieren, kennenlernte. Mehrjährige Kulturen wie Gewürzfenchel oder Artischocken zählen ebenfalls dazu. Es ist also eine Kombination aus klassischen Mischkulturen, syntropischer Anbauweise und Kombinationen nach dem Habitus, die ich praktiziere. Auch das Konzept eines Waldgartens passt sogar, allerdings kombiniert mit einem größeren Anteil an einjährigen Gemüsekulturen. 

 

Rankende Pflanzen brauchen immer etwas, was in die Höhe wächst, woran sie ranken können. Das können Sonnenblumen, Yacon, Mais oder auch Artischocken/Cardy oder Bäume/Sträucher sein. Wohingegen sich die Cardy mit ihren großen Fächerblättern ideal mit Gewürzfenchel und Kapuzinerkresse verbindet. Die zart gefiederten Blätter des Gewürzfenchels wachsen durch die groben der Cardy hindurch. Die Blätter der Cardy bilden "Höhlen" über dem Boden, in denen sich die Kapuzinerkresse ausbreiten kann. Sie fädelt sich aber schließlich durch fast alles hindurch, weshalb sie immer ein toller Bodendecker und Ergänzung in der Mischkultur ist. 

 

In Schallstadt wollte ich Agroforstelemente zur partiellen Beschattung aber auch wegen dem häufigen und recht starken Wind etablieren. Auch weil Hitze und Somit Verdunstung und Winde bekannterweise weiter zunehmen werden. Bäume und Sträucher wählte ich auch bezüglich ihrer Fähigkeiten aus. Zunächst wurden Säulenpappeln, Schwarzerlen und eine Robinie gepflanzt. Pappeln befördern Wasser aus tieferen Schichten und machen es in oberen Schichten für die Kulturpflanzen  verfügbar. Da der Acker eine leichte Neigung hat sind sie im oberen Bereich angeordnet, wo der Boden zuerst trocken wird. Schwarzerlen und Robinien machen Stickstoff verfügbar, wobei Erlen ihre Früchte im Winter behalten und so auch im Winter den Wind etwas mehr brechen könnten. Es ist nur eine Robinie, weil hier das Verhalten von Wurzelausläufern zunächst genauer studiert werden soll - ein Experiment. Vereinzelt wurden Sträucher gepflanzt, die Frühblüher oder Spätblüher sind, weil Insekten zunehmend früher im Jahr Nahrung suchen (Felsenbirne, Cornelkirsche), sie essbare Früchte haben (Felsenbirne, Cornelkirsche, Schlehe, Weissdorn, Erdbeerbaum, Honigbeeren, Maulbeere) oder einfach für Insekten und Vögel interessant sind. Zusätzlich wurden 2024 noch Judasbäume, Paw Paw, Pistazien, Ölweiden, Pekannuss, Gingko und weitere Obstgehölze gepflanzt. Insgesamt wurden mittlerweile 110 Bäume und Sträucher, viele Dauer- oder mehrjährige Kulturen und ein paar Bodendecker gepflanzt bzw. etabliert.

 

 

 

Was die syntropische Landwirtschaft sehr schön zeigt, ist das Spiegelbild der Erdoberfläche: So wie es über der Erde aussieht, sieht es unterhalb aus. Eine vielfältige, vertikal verschiedene Tiefen ausfüllende Bepflanzung bedeutet ein umfangreiches, in verschiedene Tiefen dringendes Wurzelwerk. Dieses Wurzelwerk ist besonders wichtig. Je mehr lebende und tote Wurzeln es gibt, desto besser. Die Wurzeln ergänzen sich, helfen sich gegenseitig - auch durch ihre unterschiedlichen Mikrobiome. Denn wenn man mal in der Natur in den Boden gräbt, dann hat man in der oberen Schicht immer ein dichtes Wurzelwerk. Es ist ein weit unterschätzter Lebensraum, der ja den Boden auch  schützt (stabilisiert, stichwort Bodenerosion) und resilienter macht. 

 

 

 

Es schmeckt einfach besser

 

Eigentlich logisch.

 

Was vom Wald mittlerweile bekannt ist, trifft für die Pflanzenwelt ebenfalls zu. Sie mögen die Gemeinschaft mit anderen Pflanzen und auch mit uns. Dann sind sie resilienter. Und selbst in einem Wald gibt es manchmal Bodendecker oder Lraut-/Strauchstrukturen und selten nur Bäume. Reine Fichten- oder Buchenwälder sind eher Monokulturen, die anfälliger sind. Bei Gemüsekulturen gibt es erste Nachweise, dass bei Mischkulturen die Mikroorganismen mehr und vielfältiger sind. Mikroorganismen, das sind Bakterien, Pilze, Algen... sorgen  bei den Pflanzen für eine bessere Aufnahme von Nährstoffen. Das sind Symbiosen, die starke Systeme bilden. Und diese Art Gemüse anzubauen geschieht nicht nur im Einklang mit der Natur und Hand-in-Hand mit den Bodenlebewesen, Bakterien und Pilzen, nein, es wirkt sich auch auf den Geschmack aus. Menschen, die mein Gemüse probiert haben, sagen, dass es besser schmeckt als Bio. 

   Neue Studien belegen, dass Gemüse aus regenerativem Anbau gesünder ist als Bio oder konventionellen Erzeugnisse. Bestimmte Stoffe, die besonders Gesundheitsfördernd bzw. -erhaltend wirken, seien bei diesen nicht enthalten. Und dennoch wird daran geforscht z.B. Fleisch künstlich herzustellen und manches Gemüse wächst heute schon in völlig isolierten Umgebungen. Aus diesem Grund halte ich auch nicht viel von Hochbeeten, wenn sie durch eine Folie vom natürlichen Boden getrennt sind. Erst der gesunde Boden, das Wachsen im Gesamtgefüge macht das System und damit die Pflanzen und das Gemüse wertvoll. Ebenso hat Plastik eine abschirmende Wirkung. Ob Plastik-Klamotten bei uns oder Foliengewächshäuser bei Pflanzen: wichtige Erdstrahlungen dringen nicht durch die Plastik-Schicht und fehlen uns und dem Gemüse.

 

Was bedeutet regenerativ?


Der regenerative Anbau laugt den Boden nicht aus. Ein lebendiges Bodenökosystem wird ermöglicht und erhalten. Das bezieht sich zwar auf die Bodenfruchtbarkeit und den Humusaufbau bedeutet aber noch viel mehr. Wenn man mit der Schaufel in einen gesunden Waldboden sticht, ist zunächst eine deutliche Humusschicht sichtbar. Ebenso auffällig sind zahlreiche Wurzeln von verschiedenen Pflanzen. Daran erkennt man schon, dass es ein gewachsenen und durchaus dichtes System, das von verschiedenen Pflanzen gebildet wurde. Und der Boden ist immer locker. Wahrscheinlich sieht man auch Krabbeltiere oder Käfer, insbesondere an der Oberfläche oder zwischen Humus und Laub. Mitunter sind Pilzgeflechte zu erkennen und Gänge von Würmern. Was für das Auge nicht sichtbar ist, ist die Vielzahl an Mikroorganismen. Es existiert ein gewachsenes und äußerst lebendiges und belebtes System, was durch jeden Eingriff gestört wird. Paradoxerweise werden im biologischen Anbau keine Pflanzenschutzmittel zugelassen und eingesetzt, sehr wohl aber eine Bodenbearbeitung, die wie ein starker Pflanzenschutz wirkt und eingesetzt wird und intensiver als beim konventionellem Anbau ist. Nachhaltig ist das nicht. Jede lebendige aber auch tote Wurzel ermöglicht Leben, bietet Lebensraum, ebenso jedes Stückchen organischen Materials. Darum ist folgendes beim regenerativen Gemüseanbau unbedingt einzuhalten: 

  • dauerhafte Bodenbedeckung durch Kulturen, (und) Gründüngung und/oder Mulch
  • Flächenrotte: Mulch und pflanzliches Material verrotten direkt in den Beeten
  • keine mechanische Bodenbearbeitung, auch keine Oberflächenbearbeitung

Diese Maßnahmen erreichen, dass sich, durch die im Boden verbleibenden Wurzeln, ein gesunder und lockerer Boden mit all den wichtigen Lebewesen und Mikroorganismen entwickeln kann. Die Gründüngung ist ebenfalls fester Bestandteil und kann im Wechsel, parallel oder integriert in Mischkultur wachsen. Einige Pflanzen haben die Eigenschaft besonders gut den Boden zu lockern, andere binden aktiv Luftstickstoff im Boden, der für die Kulturen wichtig ist. Der Eintrag organischen Materials durch Flächenrotte oder Mulch  ist das Futter für die Organismen und führt zum Humusaufbau, der wiederum Nährstoffe für die Pflanzen liefert. Bakterien, Pilze und Algen arbeiten sich daran ab und ermöglichen ihrerseits eine verbesserte Nährstoffaufnahme der Pflanzen. Die Mischkultur trägt zur Bodenfruchtbarkeit, der Resilienz der Pflanzen und des gesamten Systems und Vielfalt an Bakterien und Mikroorganismen bei. Auf diese Weise kann ein intaktes Ökosystem entstehen. 

 

 

 

Wellness

 

Wenn ich zur Arbeit gehe, gehe ich nicht mehr in den Garten, sondern in die Natur. 

Meine Gärten sind zu Natur geworden.

 

 

Das Regenerative beinhaltet auch die eigene Gesundung im Geiste - oder Wellness. Wir können uns in einer Beziehung mit der Natur regenerieren.  'Die Pflanzenwelt ist wie eine Bibliothek und das wirkliche Werk Gottes', so beschreibt es Wolf-Dieter Storl. Sie ist das Ursprünglichste was wir haben und schon viel länger auf dieser Erde als wir Menschen. So gesehen erschaffe ich Orte, an denen wir lernen und uns verbinden können. Aber was schreibe ich da?! Ich erschaffe ja nichts - ich ermögliche! Ich ermögliche der Natur, sich entfalten zu können. Denn schon die Seattle wussten:

 

 'Wie kann man Land kaufen oder verkaufen? 

Das Land gehört uns ja nicht, wir sind ein Teil der Natur'. 

 

(Häuptling Seattle in seiner Rede an den weißen Mann, als dieser beabsichtigte ihr Land zu kaufen. 

Vgl.: Wir sind ein Teil der Erde, Walter-Verlag AG Olten, 1982). 

 

Als Teil der Natur ordne ich mich ein und gehe in Beziehung und in Resonanz mit ihr. Die notwendige innere Balance des Seins wird möglich. Diese Verbindung funktioniert am besten in der Stille. In der Stille und der wertfreien Wahrnehmung, ist eine tiefe Verbindung zu unserer Mitwelt, den beseelten Pflanzen und Lebewesen, möglich. Dann findet Heilung (=Ganzwerdung) statt. 

 

 

Zurück in die Zukunft oder Zukunft(s)sicher?


Die Maßnahmen, die Auswahl der Kulturen und die Art der Bepflanzung lassen ein Ökosystem wieder entstehen und sind zugleich zukunftsorientiert und an viele (bereits eingetretene) Veränderungen angepasst. Fast alle der hier kultivierten Pflanzen mögen viel Sonne und Wärme, sind robust und widerstandsfähig, sind Heilpflanzen oder Insektenweiden und der fantastische Boden in Schallstadt speichert zudem sehr gut Feuchtigkeit. 

Es kommen trotzdem durchaus alte Methoden zum Einsatz:

 

"Warum haben sie denn überall Stroh auf den Beeten", fragte mich eine ältere Frau.  

"Das verhindert, dass der Boden austrocknet und hält ihn locker und lebendig", 

antwortete ich. 

"Ja stimmt, das haben wir früher auch so gemacht.....", erwiderte die Frau. 



Durch die händische Bearbeitung ist eine dichte Bepflanzung in Mischkultur möglich und die Gründüngung und das Mulchen sorgen ihrerseits für weniger Verdunstung und Austrocknung des Bodens, sodass kaum bewässert werden muss. Ich mache zwar vieles wie früher, jedoch ist das, was ich mache, nach vorne in die Zukunft gerichtet. Die Vorgehensweise sichert die Ernährung, die Arbeit hält fit und gesund und kann in der Regel so angepasst werden, dass eine gleichbleibende Tätigkeit nicht allzu lange gemacht werden muss, die Tätigkeiten gewechselt werden können, sodass keine einseitigen körperlichen Belastungen entstehen. Die Natur wird erhalten (und nicht verbraucht) und das Konzept ist übertragbar
 

Eine Hand voll Kräuter am Tag und man hat alles was man braucht.

 

Die Balance des Seins betrifft auch unsere Arbeit und wie wir arbeiten. Zwischendurch können Natur und Kräuter genossen werden, sodass insgesamt ein ganzheitlicher, gesunder und nachhaltiger Arbeitsplatz mit deutlichem Mehrwert bzw. ohne Verluste oder Einbussen geschaffen wurde. Das ist gute Arbeit. Es ist auch das Maß einer guten Arbeit. Das, was ich von Hand schaffe - und wir sollten in der Lage sein, alle notwendigen Dinge des Lebens von Hand zu schaffen - ist das Maß einer guten Arbeit und definiert die Größe einer zu bewirtschaftenden  Fläche. Sobald Maschinen oder Banken hinzu kommen wird es Stress. Dann entsteht Druck und das Mobile gerät aus dem Gleichgewicht. 

Die Geschwindigkeit mit der heutzutage auch im Gemüseanbau gearbeitet wird, ist nicht mehr an den Menschen, sondern an Maschinen bzw. Ertrag/Preis angepasst. Deshalb werden wir krank.

 

Erschaffen wir wieder ein Gleichgewicht auf Augenhöhe mit der Natur und gesunden wir: 

Ganz = Heile!

 

 

 

Die Orte


 


Freiburg ist ein etwa 350 m2 grosser Schrebergarten, der auch in einer Gartengemeinschaft organisiert wird und ursprünglich zur Selbstversorgung angelegt wurde. Hier wachsen sehr viele verschiedene Pflanzen und Heilpflanzen und es ist innerhalb von nur 2 Jahren zu einem kleinen Paradies mit großer räumlicher Vielfalt und Artenvielfalt geworden. Jetzt hat sich aber herausgestellt, dass der Boden wohl keine Zukunft für einen Gemüseanbau aufweist. Er ist nur etwa 40 cm stark und darunter kommt Gerölll aus der letzten Eiszeit. Damit kann ein Kapillaraufstieg des Wassers nicht stattfinden, der Boden trocknet im Sommer gnadenlos aus, der Mulch hat bei Hitze und langer Trockenheit keinen Effekt und die Giessmengen betragen ungefähr das 50-fache im Vergleich zum Standort Schallstadt. Zudem sinkt der Grundwasserspiegel weiter ab. Die Strategie für die kommenden Jahre ist noch nicht ganz klar. Vermutlich werden weitere Hügelbeete angelegt, vermehrt auf Tiefwurzler und mehrjährige Kulturen gesetzt und mehr Bodendecker integriert. 

Dies hat sich nun konkretisiert: Zur Zeit werden Mehrjährige Kulturen (Rhabarber, Artischocken, wilder Spargel, Gewürzfenchel und Safran angelegt).


 

 


(Hier folgt ein ausführliches Skript zum Mulchen)

 

 

 

Die Orte


 


Der Standort Schallstadt ist ein wahrer Glücksgriff was Lage und Boden angeht. Es ist ein 9m breiter Ackerstreifen von 1.350 m2 und der Boden gehört zur Mengener Brücke, die Ton-Lehm Schichten von bis zu 140m aufweist. Der helle Boden ist sehr fruchtbar und speichert sehr gut Wasser. Gießen ist kaum notwendig und einer Verkrustung wirkt das Mulchen entgegen. Bis 2022 wurde hier konventionell Spargel angebaut, d.h. Der Boden ist so gut wie tot. Kaum Regenwürmer oder sonstiges Leben und kein Humus. Die Belebung läuft und es hat sich schon nach einem Jahr vieles verbessert und es wird von Jahr zu Jahr besser. 

Der Boden ist bereits nach zwei Jahren überwiegend locker und es gibt deutlich mehr Regenwürmer.

 

 

Die Massnahmen im einzelnen:

 

  • ein halbes Jahr nur Gründüngung, dann integrierte Gründüngung
  • Mulchen mit Stroh und anfallendem organischen Material
  • Etablierung von Bodendeckern: Gundermann, Walderdbeeren...
  • Sonnenblumen und andere Tiefwurzler für tiefe Wurzelmasse im Boden
  • Pflanzenjauchen: Beinwell, Ackerschachtelhalm, Brennnessel und Luzerne für die Nährstoffversorgung, Spurenelemente und Stärkung der Pflanzen von innen heraus
  • Giessen mit Mikroorganismen (aus gesunden Wäldern)
  • Mykkorhiza-Pilz-Impfungen zur Etablierung der Pilze
  • Anbau in  Mischkulturen 
  • Alle weiteren Maßnahmen der regenerativen Anbauweise

 

Ab 2025 werden noch Kraterbeete bzw. Verickerungsmulden angelegt, um für eine bessere lokale Wasserspeicherung zu sorgen. Sie werden so angelegt, dass sie bepflanzt werden und wiederum verschiedenen Kulturen angemessene Lagen bieten.  

 


(Hier folgt ein ausführliches Skript zum Mulchen)

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